Es ist: 20.05.2018, 18:22 Hallo, Gast! (AnmeldenRegistrieren)

Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wenn pflegende Angehörige nicht loslassen können
22.03.2004, 12:24
Beitrag: #1
Wenn pflegende Angehörige nicht loslassen können
Grüß Euch liebe Forumgemeinde!
Ich suche einen Rat!

Bei uns auf Station gab es einen Mann der u.a. am Parkinson Symdrom und Schluckstörungen litt. Irgendwie war aber sein ganzes Dasein auf das Essen ausgerichtet. So kam es vor einigen Wochen, beim Naschen auf seinem Zimmer, dazu, dass er aspirierte. Wie genau das ablief, kann ich nicht sagen, da ich keinen Dienst hatte. Ich weiß nur, dass es zu einer akuten Sauerstoff- Minderdurchblutung im Gehirn kam.
Jetzt liegt der Mann im Krankenhaus an Beatmungsmaschienen angeschlossen und künstlich ernährt. Wie wir heute erfuhren, wird sich das auch nicht mehr ändern, da im Gehirn das Athmungszentrum weitgehend zerstört ist. Wir erhielten auch die Info, dass er auf keinerlei Reize reagieren kann.Allerdings hoffen die Angehörigen auf ein Wunder.
Ich kann die Angehörigen zwar irgendwie verstehen, aber wo bleibt das menschenwürdige Leben in dieser Situation. Ich sehe da einfach keinen Sinn drin, diesen Mann so dahinvegetieren zu lassen, so sehr ich mich auch darum bemühe.
Wie steht ihr Dazu? Wer kann mir helfen?
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
22.03.2004, 12:28
Beitrag: #2
Re: Wenn pflegende Angehörige nicht loslassen können
Tag,

Jeder hat seine eigenen Vorstellungen in dieser Situation.
Als Privatperson wo mein Angehöriger den ich sehr liebe an Maschienen hängt, würde ich warscheinlich auch auf ein Wunder hoffen.

Als Pflegekraft habe ich die genügende Distanz zu diesem Menschen und ich betrachte alles eher Sachlich. Normales Schutzschild halt, da ich sonst meinen Job nach einem Jahr an den Nagel hängen könnte aus psychischen Gründen.
Ich würde es beführworten das in dieser Situation die Maschienen abgeschaltet werden.

Niemand kann wirklich freien Gewissens über Leben und Tod entscheiden. Es gibt immer Leute, die für alles positive oder negative Argumente haben, Meinungsfreiheit eben.
MfG. flohri
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
22.03.2004, 13:33
Beitrag: #3
Re: Wenn pflegende Angehörige nicht loslassen können
Durch meinen Einsatz auf der Palliativ habe ich mir gerade über diese Sachen vermehrt Gedanken gemacht. Ich habe mich gefragt warum die Patienten und die Angehörigen trotz mehr als schlechter Prognose für die weitere Behandlung diese Tortour der Chemo auf sich nahmen und kämpften bis zum letzten Augenblick. Mein Verstand würde mir auch heute noch sagen ich würde bei bösartigem Krebs mit kaum Heilungschancen mein restliches Leben einfach ohne Chemie genießen wollen.
Es scheint aber so zu sein dass niemand diese Situation beurteilen kann der nicht selbst in dieser Lage ist. Ich habe kaum jemanden kennen gelernt der nicht diesen Versuch unternommen hat und glaube, dass das in der Überlebensnatur des Menschen liegt. Die Angehörigen sind in genau so einer Ausnahmesituation, der Verstand ist irgendwie ausgeschaltet, es zählt nur noch die Sorge um den kranken Angehörigen.
Ich finde man muß mit solchen Situationen sehr behutsam umgehen, selbst wenn man ihnen das erklären würde, sie wollten und können es nicht verstehen. z.B. eine Pat. die ihren Tod schon akzeptiert hatte, weil sie es selbst fühlen konnte wurde trotz Schwäche von ihren Angehörigen zum Essen und Laufen animiert. Trotz Arztgesprächen und vielen Gesprächen mit dem Personal wollte und konnte die Familie einfach nicht wahrhaben dass die geliebte Frau und Mutter in kurzer Zeit sterben würde. Die Frau versuchte sich in Abwesenheit der Familie besonders zu schonen nur um die Kraft zu haben mit ihrem Mann zu laufen und einen Happen zu essen. Was ich damals nicht erkannte wußte diese Frau aber sehr gut, ihre Familie wollte sie nicht loslassen es einfach nicht wahrhaben, sie redeten sich selbst ein dass die Frau nur Bewegung und viel Essen bräuchte um auf die Beine zu kommen. Diese Frau wurde nach Hause entlassen, auf eigenen Wunsch, nach zwei Wochen verstarb sie wobei ich glaube dass die Familie in ein sehr tiefes Loch gefallen war weil sie einfach nicht hören wollten was wirklich mit der Mutter los war.
Seither bin ich der Meinung dass wir, die nicht betroffen sind sicher nicht wissen wie wir selbst in einer solchen Ausnahmesituation reagieren würden und versuche trotz Logik einfach nur Empathisch zu sein.
Beste Grüße.
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
22.03.2004, 15:26
Beitrag: #4
Re: Wenn pflegende Angehörige nicht loslassen können
Tag allerseits! Was ich hier vermisse ist die Frage, was der betroffene Mensch selbst gewollt hätte. Hat er sich geäußert, gibt es aus seiner Biographie Hinweise darauf, was für ihn wünschenswert ist?

Die Antwort auf diese Fragen könnte auch ein hilfreicher `Schlüssel´ zur Lösung des Problems für die Angehörigen sein.

Denn: Es geht ja um mehr, als nur die umgangssprachliche `Maschine´ abzustellen. Die Ehefrau oder eine andere Person, die diese Entscheidung als Angehöriger trifft, ist für sich vor die Tatsache gestellt: `Ich lasse diesen Menschen (Ehemann!!!) sterben.´

Und das bedeutet doch: Wenn ich jemanden sterben lasse (loslasse!) - jemanden, den ich auch noch dazu ein Leben lang liebte, dann muß ich die Gewißheit haben, daß es im eigenen Interesse des Menschen ist.

Die Schuldgefühle bleiben häufig stärker oder schwächer bei den Angehörigen. Sie können aber gemindert werden, wenn man weiß, daß es `für den Anderen´ geschehen ist.

Deshalb kann es nützlich sein, sich über den Willen des Betroffenen Klarheit zu schaffen.
So long!
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
22.03.2004, 16:04
Beitrag: #5
Re: Wenn pflegende Angehörige nicht loslassen können
Nachdem mich das Thema sehr beschäftigt, habe ich mal nachgefragt. Der Mann hat schriftlich hinterlegt, dass er nicht möchte, das sein Leben 'unnötig' verlängert wird. Jetzt stellt sich nur die Frage, was heißt hier unnötig!!!! Trotzdem kann ich jetzt die Angehörigen, die sich über den Willen des Menschen hinwegsetzten, nicht verstehen.

Nur so zur Info!
Ich war vor einigen Jehren selbst betroffen, mitentscheiden zu müssen, ob ein geliebter Mensch leben oder sterben sollte. da nach Aussage der Ärzte keinerlei Hoffnung bestand und wir ziemlich sicher waren, dass der Mensch so nicht hätte leben wollen, haben wir uns für das Abschalten der Maschinen entschieden und so einem anderen Menschen das Leben geschenkt. Glaubt mir, Leute, das ist uns alles andere als leicht gefallen und ich weiß genau wovon ich rede. Mit freundlichen Grüßen!
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Tags
pflegemodule baden-württenberg, kornährenverband verboten, pflegeplanung morbus parkinson, dienstplan wie lange durcharbeiten, bewerbungsschreiben für ungelernte pflegekraft, pflegeberuf und frust, wirkt ein herzschrittmacher lebensverlängernd, pflegerelevante einschränkungen, sites
Antwort schreiben 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Kontakt | Pflege Forum | Nach oben | Zum Inhalt | Archiv-Modus | RSS-Synchronisation | Impressum