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Wie medizinisch darf/ sollte Altenpflege sein?
14.08.2001, 15:07
Beitrag: #1
Wie medizinisch darf/ sollte Altenpflege sein?
Guten Tag
Der Beitrag von Sandokan, die AP sei kein medizinisch-pflegerischer Beruf und sollte es auch nicht werden, ist sehr interessant (auch wenn er meint, er hätte nur mal Frust abgelassen), ich meine, dafür sollte eine eigene Diskussion eröffnet werden. Das will ich hiermit tun.

Tatsache ist: Die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland wird immer älter.

Mit zunehmendem Alter häuft sich die Anzahl schwerwiegender Grunderkrankungen an. Hierbei nimmt der Anteil der 'Zivilisationskrankheiten' rasant zu. Die Patienten werden auch immer jünger. Man trifft heute kaum noch Menschen, die älter als 80 Jahre und bei voller Gesundheit sind.

Eine Zielrichtung der Sozialgesetzgebung ist, durch ambulante oder stationäre Pflege Krankenhausaufenthalte zu verkürzen oder vermeiden. Durch den enormen Kostendruck werden immer mehr Patienten immer früher in die ambulante oder in die Kurzzeitpflege entlassen, obwohl die Genesung noch nicht vollständig abgeschlossen ist, weil eine weitere stationäre Behandlung im Krankenhaus nicht zwingend erscheint.

Weitere Zielrichtung der Sozialgesetzgebung ist, durch ambulante Pflege eine Heimunterbringung so lange wie möglich hinauszuzögern, so daß neu aufgenommene Heimbewohner oft schwerwiegende Erkrankungen haben, die eine weitere häusliche Versorgung nicht mehr zulassen.

Zu bedenken ist weiterhin, daß Krankheiten zum Menschen gehören, ein Teil von ihm sind. Gerade altersbedingte Erkrankungen und 'Verschleißerscheinungen' bestimmen zum Teil stark alle aktivitäten den täglichen Lebens. Gesundheitliche Krisen prägen zudem Psyche und Verhaltensweisen des Menschen. Da ist es angebracht und geradezu notwendig, zum besseren Verständnis und Umgang über medizinisches Hintergrundwissen zu verfügen sowie die wichtigsten Pflegetechniken zu beherrschen, um effektiv die bestehenden Defizite kompensieren und so dem alten Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Schönen Dank und allerbeste Grüße uhbanana
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14.08.2001, 16:55
Beitrag: #2
Re: Wie medizinisch darf/ sollte Altenpflege sein?
Hey uhbanana ich habe da meine Bedenken, daß durch (Kranken-)Pflege unbedingt und auf alle Fälle ein menschenwürdigeres Dasein für alte Menschen ermöglicht wird.
Alte Patienten sind bei Ärzten nicht unbedingt beliebt. Die Medizin kommt - weil es eben Alterskrankheiten sind - schnell an ihre Grenzen und 'verwaltet' nur noch die Krankheit, sie kann sie aber nicht mehr 'heilen'. Damit will ich auf keinen Fall sagen, daß alles eh keinen Zweck mehr hat und daß man die Leute liegen lassen sollte.
Nur: die Reduktion der AP auf eine medizinische Pflege ist sehr beliebt, weil man/frau hier genaue 'Handlungsanweisungen' durch die Medizin bekommt. Man weiß immer ganz genau, was man zu machen hat, die Behandlung der Alten ist damit auf das Körperliche festgelegt.
Die meisten (nein - alle Alten), mit denen ich bisher Interviews durchgeführt habe, halten genau das für den Horror des Alters: daß sich die Krankheiten und die dadurch existierende Abhängigkeit unerträglich verlängern. Nur - dann müßte man der Natur ihren Lauf lassen und dürfte nur noch eingreifen, um da etwas zu erleichtern. Das ist natürlich eine der schwersten Übungen, die es in der AP gibt.
Einer meiner ehemaligen Kolleginnen wurde von einer anderen Kollegin vom Frühdienst mal stolz berichtet, wieviele Leute sie gewaschen habe. Auf die Frage, was sie denn so alles im Nachtdienst gemacht hätte, meinte sie: 'Och, nicht viel. Ich habe nur Frau A. 5 Stunden lang ganz ruhig beim Sterben geholfen.'
Das ist meiner Meinung nach Altenpflege.

Grüße.
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14.08.2001, 18:12
Beitrag: #3
Re: Wie medizinisch darf/ sollte Altenpflege sein?
Na!
Altenpflege- ein medizinischer Beruf?
Ja, sicher das auch. Apo hat schon recht, wenn er die zunehmenden multimorbiden Erscheinungen aufführt, die durch immer höheres Lebensalter auftreten.
Sicherlich ist auch in den Heimen zu beobachten, daß das Eintrittsalter immer höher wird (durchschnittlich bei 86 Jahren) und die ambulante oder häusliche Pflege den Anreiz und die Möglichkeit schafft, Senioren sehr lange im gewohnten Umfeld zu belassen.

Alles richtig.

Ich sehe den Beruf Altenpflege jedoch in erster Linie als Beruf an, der nicht den medizinischen Aspekt in den Vordergrund stellt. Die Menschen brauchen Altenpfleger nicht, weil sie krank sind, sondern weil sie alt sind.
Was fehlt denn?? Der supersterile Wundverband oder die menschliche Zuwendung? Wenn man noch bedenkt, dass man heute von 60 - 80% psychisch veränderten Senioren in den Heimen spricht, dann wird klar, welche Arbeit Altenpfleger leisten müssen. Natürlich sollten sie ihren Beruf auch von medizinisch-pflegerischer Seite gut beherrschen- wichtiger erscheint mir jedoch, daß Altenpfleger ein Höchstmaß an sozialer Kompetenz benötigen, um mit dem Alter,Verwirrtheit, der Einsamkeit umgehen zu können.
Und es gehört auch dazu, das Sterben akzeptieren zu können-
sich nicht in blinden Aktionismus zu flüchten- PEG legen lassen , nur weil man nicht zusehen kann, wenn eine alte Dame oder ein alter Herr einfach nicht mehr leben mag. Auch dieses Recht des Menschen müssen wir Altenpfleger achten. Hier ist eine Ethik gefordert, die den Menschen menschenwürdig leben lässt und in Würde sterben lässt. Keine leichte Aufgabe für uns Aps.
Viele liebe Grüße!
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14.08.2001, 19:31
Beitrag: #4
Re: Wie medizinisch darf/ sollte Altenpflege sein?
Hallo Du.

Nu hatte ich schon einen neuen Beitrag fertig und war gerade dabei, auf den Knopf zu drücken, als sich unser Server verabschiedete. Alles nicht so schlimm, denn ehe ich einen neuen Beitrag poste, schaut doch mal nach unter:
http://www.pflegestudium.de/

und dort auf der linken Laufleiste unter

'Die erfundene medizinische
Karriere einer alten Lady'

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen und es zeigt anschaulich, wie die Medizin die Menschen zergliedert.

Na, noch immer Lust, viel Medizin in die AP zu bringen?
Lg
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