Ratgeber Pflege zu Hause

Wer sich dazu entschließt, einen Familienangehörigen oder anderweitig nahestehenden Menschen, der pflegebedürftig wird, nicht in ein Pflegeheim zu geben, sondern ihn in den eigenen vier Wänden zu betreuen, weiß oft nicht so ganz genau, welche neuen und vor allem unerwarteten Aufgaben auf ihn zukommen. Denn nicht auf alles kann man sich im Vorhinein in ausreichendem Maße vorbereiten. Finanzielle Hilfe gibt es in den meisten Fällen von der Pflegeversicherung.

Ein schwerer Schritt

Ratgeber Pflege

Wer plant, einen pflegebedürftigen Menschen zu sich nach Hause zu holen, hat sich im Vorfeld schon Gedanken darüber gemacht, ob und wie das eigene Leben sich ab diesem Zeitpunkt ändern wird und was ansonsten zu beachten ist. Trotzdem gibt es etliche Hürden, die sich erst dann bemerkbar machen, wenn es soweit ist und man eine Weile mit einem zu Pflegenden zusammen lebt. Betroffene brauchen nicht nur beim Waschen, der Zahnreinigung und beim Toilettengang Hilfe, sondern auch beim Anziehen, der Mobilität und bei der Nahrungsaufnahme. Zum Glück steht aber in einer solchen Situation niemand so ganz alleine da. Nicht nur die Pflegekasse und eine Menge öffentliche und private Dienstleister stehen Betroffenen zur Seite, sondern oft auch Freunde, Bekannte, Ärzte und Apotheker, die vor Ort helfen, wo sie nur können.

Die Pflegeversicherung

Nicht jeder, der im Alltag Hilfe benötigt, gilt gleich als Pflegefall. Wenn der Pflegebedürftige für mindestens sechs Monate „außer Gefecht gesetzt ist“ und Hilfe in den Bereichen Körperpflege, Haushalt, Mobilität und Nahrungsaufnahme benötigt, besteht ein Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse. Hier muss ein Antrag gestellt werden. „Um als Versicherter Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen zu können, muss der Versicherte pflegebedürftig im Sinne der §§ 14 und 15 SGB XI sein. Der gesetzliche Pflegebedürftigkeitsbegriff berücksichtigt jedoch nur bestimmte Kriterien, so dass Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes nicht deckungsgleich sein muss mit dem tatsächlichen Pflegebedarf einer bestimmten Person. Der Pflegebedürftigkeitsbegriff des Gesetzes stößt daher auch auf Kritik.“ Das SGB XI ist das Gesetzliche Regelwerk der Pflegeversicherung. Nach diesem Regelwerk gelten als pflegebedürftig „Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem Umfang oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.“1

Die Pflegestufen

In welche Pflegestufe jemand im Falle einer Pflegebedürftigkeit eingeteilt wird, entscheidet der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen. Der Patient wird in regelmäßigen Abständen in seinem Wohnumfeld untersucht, dabei kann auch der behandelnde Arzt unter Umständen zu Rate gezogen werden. Anhand festgelegter Kriterien eines Einstufungskatalogs wird entschieden, welcher Pflegestufe der Patient zugewiesen wird

Pflegestufe 1:

Zur Pflegestufe 1 zählen erheblich Pflegebedürftige, das heißt, Patienten, die in den Bereichen Körperpflege, Mobilität und/oder Nahrungsaufnahme Hilfe benötigen (mindestens einmal täglich) und mehrmals in der Woche Unterstützung bei der Hausarbeit brauchen. Wer in Pflegestufe 1 eingestuft wird, hat Anspruch auf mindestens 90 Minuten Hilfe am Tag.

Bei häuslicher Pflege hat man Anspruch auf einen Pflegegeldsatz von 235 Euro im Monat, für Pflegesachleistungen eines ambulanten Dienstes kann man 450 Euro einplanen. Bis zu 1023 € monatlich zahlt die Kasse für ein Pflegeheim. (Stand: Mai 2012)

Pflegestufe 2:

Zur Pflegestufe zählen Schwerpflegebedürftige, also Personen, die mindestens drei mal am Tag Hilfe in den Bereichen Körperpflege, Mobilität und/oder Nahrungsaufnahme benötigen und mehrmals wöchentlich Unterstützung im Haushalt. Im Durchschnitt muss die Hilfe in Pflegestufe 2 mindestens drei Stunden dauern.

Bei häuslicher Pflege hat man Anspruch auf einen Pflegegeldsatz von 440 Euro im Monat, für Pflegesachleistungen eines ambulanten Dienstes kann man 1100 Euro einplanen. Bis zu 1279 € monatlich zahlt die Kasse für ein Pflegeheim. (Stand: Mai 2012)

Pflegestufe 3:

Wer Schwerstpflegebedürftig ist, zählt zur Pflegestufe 3. Schwerstpflegebedürftig sind Menschen, die in den Bereichen Körperpflege, Nahrungsaufnahme und/oder Mobilität rund um die Uhr und im Bereich Haushalt mehrmals pro Woche Hilfe benötigen. Im Durchschnitt muss die Inanspruchnahme der Hilfe mindestens 5 Stunden dauern.

Bei häuslicher Pflege hat man in Pflegestufe 3 Anspruch auf einen Pflegegeldsatz von 700 Euro im Monat, für Pflegesachleistungen eines ambulanten Dienstes kann man 1432 Euro einplanen. Bis zu 1550 € – in besonderen Härtefällen bis zu 1918 € – monatlich zahlt die Kasse für ein Pflegeheim. (Stand: Mai 2012)

Pflegestufe 3 (H):

Personen, bei denen ein sehr hohes und intensives Maß an Pflege nötig ist, die ständig – also auch nachts – Hilfe bei Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Mobilität und hauswirtschaftlicher Versorgung brauchen, zählen zur Pflegestufe 3 (H) und gelten damit als Härtefall.

Tabelle „Ambulante Sachleitungen der Pflegeversicherungen für den Pflegedienst“

Pflegestufe ab 01.07.2008 2010 2012
I 420 440 450
II 980 1.040 1.100
III 1.470 1.510 1.550

Die Stufe III+ (=Härtefallregelung) in Höhe von monatlich 1.918 € bleibt im Jahr 2012 unverändert.

Die richtige Organisation

Pflege braucht eine Menge Organisation – sowohl für den Pfleger als auch für den Patienten ist ein geregelter Tagesablauf sehr wichtig. So weiß der Patient, dass er regelmäßig versorgt wird, fühlt sich nicht allzu einsam, nimmt seine Mahlzeiten regelmäßig ein und gegebenenfalls auch Medikamente, die ja in den meisten Fällen einer gewissen Regelmäßigkeit unterliegen sollten. Aber auch für den Pfleger sind regelmäßige Handlungsabläufe sinnvoll. So kann er seine Ressourcen schonen, den eigenen Tagesablauf besser planen und genügend Pausen und Zeit für sich einräumen. Denn eine gute Pflege ist sehr anstrengend – vor allem im Falle einer Demenzerkrankung des Patienten.

Die richtige Entscheidung

Wer sich einmal dazu entschlossen hat, einen Pflegebedürftigen bei sich aufzunehmen, ist sich in den meisten Fällen sehr wohl bewusst darüber, ab diesem Zeitpunkt in sehr vielen Dingen zurückzustecken und die eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen zu müssen, auf Freizeit zu verzichten und nicht mehr ganz so flexibel zu sein. Allerdings wird derjenige aber auch nach einiger Zeit feststellen, dass er eine Menge dafür zurückbekommt und dass es die richtige Entscheidung war. Denn pflegen bedeutet nicht nur eine Menge Anstrengung und Arbeit, sondern macht auch sehr viel Freude!

Weiterführende Informationen:

Einzelnachweise:

  1. http://www.pflegewiki.de/wiki/Pflegebedürftigkeit_nach_§_14_SGB_XI
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